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Symposium Improv in Therapy

von Regina Fabian

Wann gibt`s wohl den ersten internationalen Austausch zu Impro und Therapie?
So lautete meine Frage im Blog vom August 2017 und here we are:
am 23.03. + 24.03.19 veranstalten wir das 1. Symposium Improv in Therapy in Berlin.
Wir kommen nicht mehr los von diesem Thema, dieser Vielfalt an Möglichkeiten, die wir erahnen und das, was wir bereits realisieren, ist einfach faszinierend. Das Themenfeld Impro in der Therapie ist neu, aber nicht leer: zahlreiche internationale Projekte, einige wissenschaftliche Studien und jetzt ein internationaler Austausch in Berlin!
Was mich bei den Improübungen in meiner therapeutischen Arbeit überzeugt, ist der klare Fokus auf die Interaktion. Mit Impro kann jede*r ausprobieren, wie gehe ich in Kontakt, was passiert da, wie nehme ich meine Gesprächspartner*innen wahr und was hilft auf diese einzugehen? Es ist unglaublich einfach und so wirkungsvoll: mit dem ja genau und... Prinzip verändern sich die eigene Stimmung und der Kontakt. Die Interaktion gestaltet sich ohne große Anstrengung leichter, unterstützender und oft auch humorvoller. Beim Improvisieren orientieren wir uns an den eigenen Fähigkeiten und gehen von dem aus, was miteinander gelingt. Das ist für mich der Kern von Impro, neben vielen anderen Übungen, die den Mut Entscheidungen zu treffen, auch mal etwas "falsch" zu machen, Unsicherheit auszuhalten oder vertraute und nicht so vertraute Gefühle deutlich auszudrücken, fördern.
Patienten in einer Studie aus Chicago, die an einer Kurz- Intervention mit Impro teilgenommen haben, beschreiben ihre Erfahrung so: ‘‘I cannot remember the last time I had such a feeling of pure joy.’’ Diese gemeinsam erlebte Freude ist sicherlich eine große Motivation neue Wege durch Impro auszuprobieren. In Chicago gibt es seit mehreren Jahren eine Kooperation zwischen dem Gesundheitszentrum PARC und der Improgruppe Second City (USA), sie bieten therapeutische Improgruppen für Menschen mit sozialen Ängsten an. Inzwischen führt Second City auf Grund der großen Nachfrage und der hohen Teilnehmer*innenzahl diese Impro- Kurse in unterschiedlichen Stufen durch. Becca Barish, eine der Trainerinnen, betont die ermutigende Erfahrung, die jede*r beim Impro im Umgang mit Unsicherheit erleben kann. Statt Unsicherheit zu vermeiden, ermöglichen es die Improübungen Unsicherheit erstmal zu akzeptieren und damit auch die Angst davor zu verringern. "Ich kann jetzt leichter mit Leuten sprechen, spontaner antworten", berichtete eine Patient*in meiner theatertherapeutischen Gruppe. In den Theatertherapeutischen Gruppen in einer Psychiatrischen Ambulanz erlebe ich das gemeinsame spielerische Interagieren in einer unterstützenden Atmosphäre als mutmachend und fördernd. Immer wieder berichten Patient*innen von Situationen, in denen sie ihre Erfahrungen aus den Improübungen auf schwierig erlebte Alltagssituationen übertragen konnten. Eine neu entwickelte, auf Impromethoden basierende Kurzzeit- Intervention für Menschen mit Depressionen und sozialen Ängsten wurde erst kürzlich in einer Pilotstudie evaluiert. U.a. beschrieben die Teilnehmer*innen eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls nach Teilnahme an dem Programm. (K. Krueger et al. 2017). Der Familien- und Paartherapeut Daniel J. Wiener (USA) nutzt seit den 80iger Jahren Impromethoden in seiner therapeutischen Arbeit und hat dazu ein eigenes Programm entwickelt: Rehearsals for Growth. Er setzt Improvisationsübungen mit Kommunikationsverhalten in Bezug und stellt fest, dass Improtechniken mit den Regeln für ein gesundes, funktionierendes Miteinander korrespondieren, insbesondere durch die vollständige Zuwendung zum Gegenüber. Wiener nutzt beispielsweise Statusübungen in der Paartherapie, so dass die Klient*innen ihre Beziehungsmuster auf neuartige Weise erforschen und verändern können. Impro wird zum Spiel- und Explorationsraum. Assael Romanelli (Israel), der bei unserem Symposium mit einem Vortrag sowie einem Workshop vertreten ist, hat ein 3 monatiges Improtraining konzipiert, das bereits in der Ausbildung für Therapeuten genutzt wurde. In einer qualitativen Studie zu diesem Training beschreiben die Therapeut*innen, dass sie mehr Spontaneität und Humor, eine größere Aufmerksamkeit für den Moment, ein gesteigertes Bewusstsein über die eigenen Gefühle und eine Steigerung vom Gefühl der Kongruenz und Authentizität in ihrer therapeutischen Haltung beobachtet haben.
"It is heartening to see how.....there is a growing interest and enthusiasm for the application of theater improv to the practice of psychotherapy!"
Wiener

In diesem Sinne freue ich mich auf die vielen neuen Begegungen, Ideen und Projekte, die uns beim Symposium Improv in Therapy erwarten!

Neben dem Syposium finden weitere Workshops zu Impro in der Therapie im März und Juni statt. Alle Infos gibt es hier auf der Website.

Literatur:

Krueger, K., Murphy, J. & Bink, A. (2017). Thera-prov: a pilot study of improv used to treat anxiety and depression. Journal of Mental Health 4,1-6.
Romanelli, A., Tishby, O., & Moran, G. S. ( 2017) : "Coming home to myself”: A qualitative analysis of therapists’ experience and interventions following training in theater improvisation skills. The Arts in Psychotherapy, 53, 12–22.

Romanelli, A., Berger, R. ( 2018) : The ninja therapist: Theater improvisation tools for the (daring) clinician The Arts in Psychotherapy 60 , 26–31
Wiener, D.J. ( 2009) Rehearsals for Growth: Drama Therapy with Couples. In: Johnson, D.R. & Emunah, R. Current Approaches in Drama Therapy. 355 - 373. Springfield: Charles C Thomas

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