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Herausforderungen

von Barbara Klehr

Heraus! Aus einer Komfortzone, aus einem Raum den ich gut kenne. Das Wort »Forderung« impliziert etwas von außen Kommendes, möglicherweise etwas Unbequemes und nicht unbedingt meine eigene Entscheidung.
Auf der Improbühne erleben wir Gorillas Herausforderungen in Form von Aufgaben, die wir einander stellen. Zugegeben, 80% davon fordern uns nur gespielt heraus. Wirkliche Herausforderungen sind für mich zum Beispiel, mit einem Kollegen zu spielen, der mich derzeit stark kritisiert oder mit dem ich gerade Schwierigkeiten habe. Auf die Bühne gehen, obwohl ich zutiefst traurig bin, weil ich mitten in einer Trennungssituation stecke. Oder zu einem Thema zu improvisieren, das mich aktuell sehr aufwühlt.
Das Schöne am Improvisationstheater ist für mich, dass es eine »bessere Welt« kreiert, in der wir als Spieler, indem wir die Improregeln befolgen, einander unterstützen und respektvoll sind. Das macht etwas mit mir, dieses gemeinsame Ringen um das Gelingen der Szene. Dieser positive Umgang miteinander ist nicht selbstverständlich und auch nicht im alltäglichen Zuhause. An dieser Stelle trägt Impro meiner Meinung nach wirklich zu einer besseren Welt bei, weil wir für diese Zeit tatsächlich gut miteinander umgehen und uns bemühen. Auch wenn ich im Unterricht erlebe, wie ihr Schüler um etwas kämpft (zum Beispiel euch verändern zu lassen, oder die Zug-um-Zug-Regel endlich einzuhalten) und wie glücklich ihr seid, wenn euch etwas gelungen ist, dann hat das auf mich eine Wirkung. Dieses beglückende Gefühl nehme ich mit in den Teil meines Lebens, in der die Beteiligten gar nicht nach den Improregeln spielen.
Was deine persönlichen Herausforderungen im Bereich des Improtheaters sind, das kannst du am besten für dich selber beantworten. Ich glaube, dass die Kurse ein prima Forum darstellen, in dem man sich über dieses Thema auch mal austauschen kann. Damit können Kollegen oder der/die Lehrer*in zu Komplizen werden, die dich darin unterstützen, deinen Herausforderungen offensiv zu begegnen. Damit wird der Kurs zum echten Trainingsraum.
Impro ist nicht das wahre Leben, aber im wahren Leben können wir eine Menge von Impro profitieren.
 
Barbara unterrichtet die das Schnupper-Wochenende am 16.+17.2. Zusammen mit Regina veranstaltet sie am 23.+24.3.2019 das Symposium »Improv in Therapy«, das sich mit dem Thema Impro im therapeutischen Kontext befasst.

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