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Kim Clark

von Luise Schnittert

Den Fokus des Monats möchte ich meinem guten Freund Kim Clark widmen. Im Jahr 2011 wurden wir Gorillas eingeladen beim Improvisationsfestival in Chicago teilzunehmen. Zu viert ging es los (Robert, Tom, Felix und ich). In Chicago wurden wir von David Fink begrüßt, unserem Gastgeber während der Zeit und, wie sich später herausstellte, Kim Clark’s Freund. Wir wohnten sehr zentral in Chicago in einem Haus und hatten eine wunderbare Zeit dort. Kim und David waren hervorragende Gastgeber und zudem echte Kenner und Liebhaber von Impro und Kunst generell. Zusammen gründeten sie ein eigenes Theater in Three Oaks, Michigan, namens »Acorn Theater« und waren überall in der Kunstszene in Chicago unterwegs. Hinzu kam, dass sie die nettesten, großzügigsten und witzigsten Menschen waren, die mir seit langem begegnet waren. Die Zeit verging sehr schnell. Wir durften während des Festivals 2x auftreten und nach einer Woche, war es schon vorbei. Wir wurden sehr herzlich empfangen - überall hieß es nur »awesome«, »your amazing«, »I loved your show!«. Ich war ein ziemlicher Impro-Anfänger und überwältigt von den ganzen Eindrücken. Es passiert nicht alle Tage, dass man in IO (Improv Olympics) auftreten kann. In unserer Freizeit versuchte ich Jazzclubs ausfindig zu machen und landete im spannendsten und besten Club, den ich je erlebt hatte: Green Mill. Im Rausch der musikalischen und theatralischen Eindrücke wusste ich, ich will zurück. Im Jahr 2013 war es dann soweit und ich entschied mich für drei Monate nach Chicago zu gehen (länger darf man ja nicht ohne Arbeits-Visum). Ich fragte Kim und David ob ich ihre Erdgeschoss- Wohnung mieten durfte, aber dort wohnte bereits ein Student, so boten sie mir ihre Bibliothek an. Für umsonst. Dort wurde das Schlafsofa aufgestellt und ich durfte bleiben, so lange wie ich wollte.

So begannen drei aufregende Monate in Chicago, zu Gast bei David und Kim. Ich war viel unterwegs: Impro-Mashups, Shows, Classes, Open Stages usw... David war hauptsächlich zuständig für das »Acorn Theater«, während Kim an der DePaul University »Writing« unterrichtete und an seinem Fernsehprojekt »Big Questions« arbeitete. Dieses Projekt brachte ihm einen Emmy ein, welches eine der unzähligen Dinge ist, die er gemacht und erreicht hat. Ich selbst staune gerade, was ich in seinem Wikipedia Eintrag lese, ich kann nicht fassen - I had no idea!

Zum Beispiel war er der Chef des »Writings-Programs« bei Second City und wurde später mit zwei anderen wie folgt von der »Chicago Sun« betitelt: »Second City Improv Comedy Legends«.

Während der drei Monate ging ich durch einige Täler. Mitunter ging mir Impro manchmal echt auf die Nerven, überall wurde man mit »have fun!« angebrüllt und der Druck witzig und schnell zu sein, wurde mir zuviel. Ich fühlte mich wie eine lahme Ente und wollte doch eigentlich Schauspielerin sein. Second City war eine Impro-Maschinerie mit tausenden Stundenten, Klassen und Shows. Wie eine große Universität und mit nichts zu vergleichen, was es hier in Deutschland gibt. Jeder Mensch in den USA schien einen Kurs zu belegen, erst recht die Schauspieler und Comedians, die es zu etwas bringen wollten. Impro wird oder wurde in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, Schiller und Goethe, sehr belächelt und als niedere Kunstform abgetan. In den USA ist sie DAS Sprungbrett für jeden der in die Entertainment-Branche möchte.

Für gewöhnlich stand ich morgens mit Kim auf und während er Kuchen zum Frühstück aß, war er schon bester Laune und plauderte fröhlich von all seinen Projekten und besonders darüber, wie sehr er es liebte zu unterrichten. Es war immer lustig und spannend sich mit ihm zu unterhalten und ich mochte unsere Gespräche sehr. Als ich mal wieder bedröppelt von einer Open Stage wiederkam, sagte er nur: »Luise, if you don’t think improv is funny then you’re a professional«. Er wusste immer mich aufzumuntern.

Irgendwann entdeckte ich kleinere Schulen und Theater und belegte andere Kurse. Ich lernte bei Jimmy Carrane: The Art Of Slow Comedy und fühlte mich mehr und mehr zu Hause. Ich ging zu Castings und bald musste ich entscheiden, ob ich, wie geplant, zurück fliegen wollte oder den Versuch starten wollte, ein Artist Visa zu beantragen. Ich flog zurück. Diese drei Monate haben mich sehr geprägt. Was die Amerikaner wirklich können ist »Yes, and« sagen. Die Impro-Regel Nummer eins. Die positive Energie und Motivation an Dinge heran zu gehen, ist faszinierend. Kim war einer der besten darin. Er hat es verstanden auf höchstem Niveau kreativ zu sein, die Fähigkeiten der anderen zu fördern, zu befruchten, immer weiter zu denken und das Leben von der positiven Seite zu sehen. Es bedeutet eben auch, zu den schwierigen Schlägen des Lebens »Yes, and« zu sagen und so immer in Bewegung zu sein. Ich denke oft an ihn, auf der Bühne und beim Unterrichten.

Letzten Samstag, am 21.04.2018 ist Kim gestorben. Mich hat es wie ein Schlag getroffen und komplett überrascht. Ich bin tief traurig und dennoch so voller Dankbarkeit, eine kurze Zeit Teil seines Lebens gewesen zu sein. Mein Fokus des Monats bist du, Kim, I miss you!

Luise unterrichtet vom 7.5. bis 2.7. zusammen mit Michael die Abendklasse Fortgeschrittene.

v.l.: Kim, ich, David in Three Oaks, 2013

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