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Fokus des Monats Oktober: KEINE REGELN

von Inbal Lori

Hier kommt etwas, von dem ihr vielleicht schon mal gehört habt, aber es ist immer wieder gut, sich daran zu erinnern: Es gibt keine Regeln in der Improvisation. Mal ehrlich, würden wir das hier machen, wenn wir noch mehr Regeln in unseren Leben bräuchten? Haben wir nicht schon genug davon? Ich finde, dass wir oder zumindest einige von uns wegen der Freiheit, der Freude, der Kreativität und der Verspieltheit improvisieren. Und nicht, weil wir Technokraten sind und gerne Regeln befolgen, oder?
Und was ist dann mit »Sag Ja!«, »Rede nicht über das, was du tust!«, »Stelle keine Fragen!«, »Kläre die W-Fragen!«, »Vermeide Lehrer-Schüler-Szenen!« und so weiter??? Ja, das sind wunderbare Werkzeuge, aber sind es Regeln? Könnten wir nicht auch eine großartige Schüler-Lehrer-Szene spielen? Könnten wir nicht über das reden, was wir gerade machen, und dabei eine sehr komische Interaktion miteinander haben? Könnten wir nicht sogar mit einem Blockieren eine Szene ganz woanders hinbringen und dadurch deutlich verbessern?
Na sicher, beim Unterrichten benutze ich all diese hier aufgeführten Themen und noch viele andere. Aber ich benutze sie nicht als Regeln, sondern als Techniken, als Werkzeuge.
Jetzt ist es nur fair zu fragen: Wenn es also keine Regeln gibt, womit fange ich dann an? Wo gehen wir hin? Welcher Sache folgen wir? Wie können wir wissen, wann wir was machen sollten?
Meine Antwort darauf: Als Anfänger solltest du mit diesen Techniken so viel wie möglich arbeiten, lote die spielerischen Möglichkeiten aus, die sie dir bieten.
Je fortgeschrittener Du bist, umso mehr sind diese Techniken von dir bereits internalisiert worden. Du wirst mehr Bewusstsein darüber haben, wann du was am besten anwendest. Und manchmal kann es auch sein, dass Du merkst: Für die Szene ist es momentan besser, wenn ich das jetzt mal nicht so befolge wie sonst. Du wirst die Freiheit besitzen, sie zu benutzen, wenn es Sinn macht und nicht zu benutzen, wenn es keinen Sinn macht.
Anstatt also blind den »Impro-Regeln« zu folgen solltest Du deinen Fokus lieber auf das legen, was Dir und - noch wichtiger - deinem Partner und – ebenso wichtig - dem Publikum Freude bereitet. Und falls das bedeutet, etwas ganz anders zu machen, als Du es gelernt hast, na dann prima, mach es ruhig! Aber denk' daran: es muss deinem Partner und dem Publikum Freude bereiten. Schließlich geht es darum, die bestmögliche Show zu spielen.
Ich möchte zum Abschluss die großartige Patty Stiles zitieren, die letztes Jahr in Canberra gesagt hat: »Es gibt beim Impro keine Regeln, nur Möglichkeiten. Das einzige, was einer Regel nahekommt ist der ethische Kodex: Lass deinen Partner gut aussehen!«
Ich liebte diesen Satz. Denn ich denke, er erinnert uns an das Allerwichtigste: Wir machen das hier gemeinsam, Improvisation geschieht im Miteinander, also: Nimm deinen Partner wahr und höre ihm zu! Hierin steckt deine größte Quelle und Inspiration. Dem sollst du folgen, und dem, was Freude bringt. Dann benutze die gelernten Techniken oder auch nicht, ganz wie es gerade nötig ist. Habt vor allem Spaß!
 

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