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Fokus des Monats November: ÜBERFORDERT SEIN

von Konstanze Kromer

Liebe Fokus des Monats-Leser, übermorgen ist Abgabetermin für meinen Fokus des Monats. Ohje! Ich habe noch NICHTS, noch nicht mal eine Idee über was ich schreiben soll und eigentlich auch überhaupt keine Zeit mehr, da ich sowohl abends als auch tagsüber spiele, probe, unterrichte. Ich habe es lange vorher gewusst und -wie es so ist- immer wieder vor mir hergeschoben. Jetzt hab ich den Salat. Ich bin völlig überfordert! Ok. Wie war das noch mit den Impro-Tools? Ich nehme das was ist an. Sage ja zu dem was ist. So war das doch... Also - was ist? Ich bin überfordert. Das habe ich so Ramona gesagt, Hüterin der Fokusse des Monats und ihre Antwort war: »Dann schreib was Unperfektes. Schreib über Überforderung.« Sie traf den Nagel auf den Kopf. Hier ist er also, mein Fokus des Monats:


Wie oft predige ich diese zwei Prinzipien:
1. Mach deine vermeintliche Überforderung öffentlich oder
2. Nimm die Überforderung als Angebot.

Wie sehr haben wir Angst davor, mal nicht weiter zu wissen in einer Szene. Blockiert zu sein, keine Ahnung zu haben was da gerade passiert. Keine Idee zu haben...oh Gott!
»Dann mach es öffentlich«, sag ich. Sage einfach »Stopp«, wende Dich ans Publikum und frage z.B. »Wer ist er - mein Vater oder der Lehrer? Ich steh grad auf dem Schlauch.« Das Publikum weiß es und wird Dich lieben für Deine Offenheit.
Gerade letztens hatten wir das wieder bei einer Show. Es war alles völlig krude und kompliziert geworden, wir sahen nicht mehr durch und wir konnten das auch nicht szenisch klären. Da haben wir es einfach öffentlich gemacht. Haben das Publikum involviert, befragt und - Zack - war alles klar und wir konnten entspannt und lustvoll weiterspielen. Danke Publikum! Es ist unglaublich entlastend zu wissen, dass man das zur Not immer machen kann. Du musst nix verstecken, aushalten oder durchboxen. Zur Not eben: Öffentlich machen. So wie ich jetzt: Hilfe, ich bin überfordert mit diesem Fokusschreiben!

Die zweite Erkenntnis:
Alles ist ein Angebot. Stehst Du völlig verkrampft und schnappatmend auf der Szene: Dann ist deine Figur eben z.B. ein verkrampfter Tiefstatus, der gleich sein erstes Date seit 10 Jahren hat und nicht mehr in die Lieblingshose passt. Oder eine Frau, angeklagt als Hexe, die gerade furchtbar Angst vor der Folter hat und nicht weiß, wie ihr geschieht.... Whatever.
Selbst überfordert zu sein ist also ein Geschenk: Immerhin habe ich über das Öffentlich-Machen bei Ramona doch ein Fokusthema gefunden. Und hey, ich traue mich jetzt, einfach einen knappen unperfekten Text rauszuhauen. Danke Ramona!

Kleiner Tipp noch zuletzt:
Warte nicht im Unterricht, bis Du ran MUSST. So wie ich jetzt mit dem Fokusschreiben. Schmeiß dich einfach gleich rein in die Szene, auch wenn Du denkst, Dir fällt nix ein. Du ersparst Dir den ganzen »Vorher-Stress«. Und hinterher geht's dir super.
Jump and the net will appear!


Konstanze unterrichtet mit Charme, Klarheit und weisem Blick ab Januar den Anfängerkurs am Dienstagabend.

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