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Fokus des Monats September: Impro und Therapie

von Regina Fabian

Impro regt Veränderungen an. Wer improvisiert, der ist mit Handlungen beschäftigt. Auf der Bühne soll gehandelt werden! Unweigerlich verändert sich dadurch auch die Situation. Im besten Fall bewirkt jede Aktion meines Partners eine Veränderung in meinem Spielverhalten und vice versa - ein Ping Pong-Spiel, das ungewöhnlichste Verhaltensweisen hervorbringen kann.
Als systemische Therapeutin ist mein Ziel, Menschen die Möglichkeit zu bieten, Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Beim Impro versuchen wir alles, was da ist, miteinander zu verbinden - aufeinander zu beziehen. Und da ist der Schritt Impro und Therapie in meiner Arbeit zu verbinden, naheliegend.
Wie kann beides verknüpft werden kann und wo sind überhaupt Verbindungen?
Je mehr ich mich mit der systemischen Therapie beschäftigt habe, desto mehr Verbindungen fand ich. Ich bin überzeugt, dass meine intensive Beschäftigung mit Impro auch meine eigene therapeutische Haltung prägt. Viele Aspekte von Impro sind dabei für mich wichtig: akzeptieren der Vorstellungen der Spiel- /Gesprächspartner, wahrnehmen des ersten Impulses bei mir und meinem Partner, den Fokus auf die Interaktion zwischen den (Spiel-) Partnern richten, Vertrauen in das, was gerade entsteht, haben und flexibel auf das, was entsteht, reagieren und Ungewohntes zulassen.
Bei meiner Tätigkeit in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie und in einer psychiatrischen Ambulanz konnte ich das Potential von Improübungen nutzen. Ein Highlight war für mich die Statusarbeit mit den Jugendlichen. Zu erleben, wie sich einige in der Impro selbst überrascht haben, als sie plötzlich völlig anders agierten als sonst und das dann auch von den anderen wahrgenommen wurde. Plötzlich ist es möglich, auch mal mit direktem Blick jemanden anzusehen, ein Gespräch zu dominieren. Dieser einfach schöne Moment, wo der- oder diejenige plötzlich erkennt: ah das kann ich auch!
Wie können diese Erfahrungen aus der spielerischen Situation auf den Alltag übertragen werden? Wie kann das verantwortungsvoll begleitet werden? Welche Übungen sind in welchen Situationen und bei welchen Schwierigkeiten besonders hilfreich? Diesen Fragen stelle ich mir bei meiner Arbeit, finde Wege und suche nach weiteren Möglichkeiten. Und ich suche - welch ein Glück - nicht alleine, denn noch jemand bei den Gorillas befasst sich mit dieser Verknüpfung und erprobt sie: Barbara, als Musiktherapeutin. Bei unserem ersten Fachtag in diesem Frühjahr konnten wir uns mit vielen interessierten Therapeuten austauschen. Und im Herbst folgt ein Netzwerktreffen!
Auch andere nutzen bereits Improvisationstheatermethoden im therapeutischen Kontext,  so wie die Kollegen von Second City in Chicago, die für Menschen mit sozialen Ängsten zusammen mit einem Gesundheitszentrum Improworkshops anbieten.
Und, um den Stein weit zu werfen: wann gibt`s wohl den ersten internationalen Austausch zu Impro und Therapie?

Regina gibt zusammen mit Barbara interessierten Therapeut*innen einen Einblick in das Mysterium Impro. Ganz praktisch, verspielt und mit Zeit zum Reflektieren werden verschiedene Übungen auf ihre Umsetzbarkeit in der therapeutischen Praxis abgeklopft. Die beiden können das, weil sie nicht nur Gorillas sondern auch Musiktherapeutin bzw. Systemische Therapeutin sind und genau für diese Verbindung brennen. Wir wünschen viel Spaß! (Wochenende 14.+15.10.2017)

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