BLOG

Fokus des Monats April: Raum

von Norbert Riechmann

Dieses Wort fällt beim Improvisieren immer wieder. Oft ist gemeint: der Raum, in dem wir - angenommen - spielen, uns bewegen, den wir erst einmal etablieren müssen. Das ist der eine Raum. Dann gibt es den Raum, den wir uns nehmen, den wir beanspruchen, den wir unserem Partner geben. Und den Raum, den wir bestimmten Dingen oder Gedanken geben, man könnte auch sagen, in diesem Fall steht »Raum« für »Zeit«. Wenn wir jetzt den »Musikraum« betreten - da gibt es auch »Räume«. Musikwissenschaftler sprechen vom „diastematischen Raum“; gemeint ist der Raum zwischen tiefster und höchster Note in einer Melodie. Ist dieser Raum groß, kann die Melodie große Bewegungen machen, oft ist sie dann besonders schwer zu singen. Oder ist der Raum klein, kann es schnell monoton werden.
Was hat denn das jetzt alles mit Impro zu tun, mit meiner Spontaneität?
Wenn wir bei Musik innerhalb der Improvisation nicht nur an »Singen« denken, dann kann dieser Begriff »Raum«, der ja in vielen Bereichen eine Art Platzhalterfunktion hat, uns helfen, anders, reicher, besser zu improvisieren, indem wir »Räume« entdecken, »Raum« geben, »Raum« einnehmen. Lernen, wahrnehmen, was neben dem konkreten Reden und Bewegen in einer Szene oder einen Format noch an Räumen da ist, sich auftut, uns entlastet, bereichert, im Idealfall vielleicht beglückt. Wenn wir darauf achten, stellen wir vielleicht fest, dass wir manchmal eben gar nicht reden müssen, weil die Musik unsere Emotionen viel besser transportieren kann als Worte. In Romantic Comedies kann man immer wieder sehen, wie das wirkt. Oder wir lassen uns von der Musik einen »Subtext« unterlegen, dann könnte z.B. eine ganz belanglose, fröhliche Szene etwas Bedrohliches oder Gruseliges bekommen… Wer kennt nicht den »Weißen Hai«. Oder wir lassen uns von der Musik ganz abstrakt »treiben«, arbeiten mit dem Temperament oder der Bewegung, die uns die Musik anbietet.
Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, mit dem Begriff Raum umzugehen, siehe oben.
Wenn wir uns trauen, diese Räume zu entdecken und zu erforschen, wird unser Spiel reicher, vielschichtiger, interessanter. Und wir haben letztlich mehr Spaß. Das ist doch ein sehr schönes Ziel, oder?


Norbert unterrichtet den Fortgeschrittenen-Dienstagabend-Kurs vom 23.5. bis 18.7. zum Thema »Musik«. Es geht dabei ums Singen, Hören, um Musik als dramaturgisches Element, zur Charakterunterstützung – na klar und um Raum. Anmeldung hier.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar